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Dr. med. Michael Franz
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Dr. med. Michael Franz

Krankheitsbilder · Einheimische Sprue
(Zöliakie / glutensensitive Enteropathie)

Die einheimische Sprue ist eine weltweit verbreitete Darm- erkrankung, die gehäuft in Europa vorkommt. In etwa 70 Prozent sind Frauen betroffen.

Es handelt sich um eine Unverträglichkeitsreaktion gegenüber Gluten, einem Getreideprotein (Klebereiweiß). Das führt bei den Patienten zu Malabsorption (gestörte Aufnahme von Nährstoffen und Vitaminen aus dem Darm) und zu Durchfällen mit einer typischen „Atrophie der Dünndarmzotten“.

Die einheimische Sprue wird in der Regel nach Einführung glutenhaltiger Nahrungs-mittel (Getreideprodukte) manifest, also meistens bereits im Kindesalter.

Sie kann jedoch auch im Erwachsenenalter erstmalig auftreten. Ursächlich sind genetische Faktoren im Zusammenspiel mit einer immunologischen Reaktion. Es werden Antikörper gebildet, die sich gegen körpereigene Darmzellen richten.

Morphologisch ist die Dünndarmschleimhaut deutlich verändert. Die Zotten können teilweise bis komplett verschwunden sein. Diese „flache Schleimhaut“ bedingt eine Malabsorption von Glucose, Aminosäuren, Fett, Vitaminen, Calcium und Eisen.

Auch der Wasser- und Elektrolyttransport durch die Schleimhaut ist gestört, so dass Durchfälle begünstigt werden.

Da die Fette nicht mehr aufgenommen werden, kommt es zur Ausbildung von Fettstühlen (Steatorrhö).


Das Krankheitsbild der einheimischen Sprue ist sehr variabel.
Im Vordergrund stehen die übelriechenden Durchfälle (90%). Weitere Symptome sind Adynamie (95%), Gewichtsverlust (88%), Flatulenz (69%), Zungenbrennen (66%), abdominelle Beschwerden (55%), Meteorismus, Tetanie (40%), Inappetenz (39%), Übelkeit/ Erbrechen (30%), Parästhesien (25%),
hämorrhagische Diathesen (23%), Knochenschmerzen (19%) und nächtliche Polyurie (19%).

Näher erläutert bedeutet dies

Durch die Malabsorption kommt es zu einer Eisenmangelanämie, einer erhöhten Blutungsneigung durch Vitamin K-Mangel, Knochenschmerzen und durch den Verlust an Mineralien zu einem erhöhten Risiko an Knochenbrüchen.
Durch Vitamin B-Mangel entzündet sich die Mundschleimhaut, es kommt zu Aphthenbildung und zu Mundwinkelrhagaden. Ödeme entstehen, da sich aufgrund der gestörten Eiweißverdauung vermehrt Wasser im Gewebe ablagert. Auch eine Osteoporose kann die Folge der Sprue sein.

Bei atypischen Verläufen können die gastrointestinalen Symptome sogar fehlen (40%!).

Bei Kindern zeigen sich folgende Symptome
Sie entwickeln sich nicht altersgemäß, haben eine blasse Gesichtsfarbe und einen aufgeblähten Bauch. Der Stuhl ist übelriechend und gelblich. Die Kinder leiden an Blutarmut und bleiben im Wachstum zurück.

Gehäuft tritt die Sprue auch im Zusammenhang mit anderen Autoimmun-erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ I, Hashimoto Thyteoiditis oder Dermatitis herpetiformis Duhring auf.
Auch kann es aufgrund der enormen lebenslangen Belastung immer wieder zu Phasen depressiver Verstimmungen kommen, die therapiert werden müssen.

Das diagnostische Vorgehen bei Verdacht auf einheimische Sprue besteht in Laboruntersuchungen von Blut und Stuhl, Dünndarmbiosien mittels Gastroduodenoskopie, Laktosebelastungstest und H2-Atemtest.


Therapie
Die einzige Möglichkeit besteht in einer konsequenten, lebenslangen glutenfreien Ernährung!

Das führt zum Rückgang der klinischen Symptomatik und nach mehreren Monaten häufig zur Normalisierung des Schleimhautreliefs des Darmes.

Hat sich aber zusätzlich die Keimbesiedlung im Dünndarm deutlich erhöht, sind weitere Maßnahmen wie die Gabe von Antibiotika nötig.

Folgende Getreidesorten sind für Sprue-Erkrankte nicht geeignet und müssen ebenso wie die Lebensmittel, die sie enthalten, konsequent gemieden werden:
» Weizen
» Dinkel
» Roggen
» Hafer
» Gerste
» Grünkern
» und weitere Getreidearten und Urkornarten (wie Kamut, Einkorn).

Daraus hergestellte Lebensmittel sind:
Mehl, Grieß, Stärke, Graupen, Flocken (Müsli), Paniermehl, Teigwaren

Gluten ist in folgenden Produkten enthalten
» Brot, Brötchen
» Baguette, Nudeln
» Pizza, Knödel,
» paniertes Fleisch und panierter Fisch
» Kuchen, Torten
» Blätterteigteilchen, Hefestückchen
» Kekse, Müsliriegel
» Eiswaffeln
» Salzstangen, Knabbergebäck
» Bier, Malzbier

Gluten kann auch in vielen Produkten versteckt sein
» gebundene Suppen und Saucen
» Fertiggerichte
» Pudding
» Pommes frites, Kroketten, Kartoffelpuffer
» Wurst, Würstchen
» Frischkäsezubereitungen mit Kräutern
» Eis, Schokolade
» Nuss-Nougat-Cremes
» Milchprodukte mit Frucht
» fettreduzierte Produkte
» Chips, Flips u. Co.
» Ketchup, Senf, ua.
» Gewürzmischungen

Seit dem 25.11.2005 müssen glutenhaltige Zutaten auf der Zutatenliste verpackter Produkte angegeben werden.
Leider ist nur selten gekennzeichnet „enthält Gluten“ oder „glutenfrei“. Und es wurden leider auch wieder Ausnahmen von der Kennzeichnungspflicht erlassen.

Unbedenklich verzehrt werden können – da glutenfrei
» Reis, Mais
» Hirse, Buchweizen
» Amaranth, Quinoa
» Obst und Gemüse
» Kartoffeln, Salate
» Milch, Naturjoghurt
» Butter
» Frischkäse natur
» Naturkäse
» Pflanzenöle
» Fleisch
» Fisch und Meeresfrüchte
» Zucker, Honig
» Nüsse
» Hülsenfrüchte
» reine Gewürze und Kräuter
» Tofu, Sojamilch
» Mozarella in Salzlake
» reine Fruchtsäfte
» Wasser
» Wein und Sekt

Zum vollständigen Krankheitsbild der Sprue gehört fast immer ein Laktasemangel. Daher sollte am Anfang der glutenfreien Diät auch auf Milchprodukte wie Milch, Käse, Quark und Joghurt verzichtet werden.

Haben sich nach einiger Zeit die Darmzotten wieder aufgebaut, werden Milchprodukte auch wieder gut vertragen. Der Verzicht ist meist nur von kurzer Dauer. Gluten dagegen muss für immer gemieden werden.
 
Da bei Menschen mit Sprue das Risiko einer bösartigen Geschwürbildung im Darm erhöht ist, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen erforderlich.
 

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Krankheitsbilder Internist Franz (Image)

 

Bitte beachten Sie, dass diese Informationen nicht zur Selbst- diagnose oder zur eigenen Behandlung dienen sollen, und auf gar keinen Fall eine ärztliche Beratung ersetzen können.

 

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